Kulturpark West – Zentrum für Kreative Urbane Kulturen

Aktuelle Situation

Der Kulturpark West ist als Kreativareal auf dem Gelände der ehemaligen Reese-Kaserne in Kriegshaber mit über 6500qm Nutzfläche ein Netzwerk mit einer Vielzahl von Beratungs-, Qualifizierungs-, Bildungs-, Veranstaltungs- und Servicemaßnahmen im Bereich popkultureller Szenen, interkultureller Begegnung, intergenerativer Performance und szenewirtschaftlicher Professionalisierung – seit 2007 sind hier über 100 Arbeitsplätze in der niederschwelligen Kulturwirtschaft entstanden!
Das Netzwerk umfaßt neben den dort tätigen 1580 Künstlern/innen, Musikern/innen, Kreativen ein Theaterpädagogisches Zentrum mit Kinder-, Jugend- und Seniorentheater, den Kultur- und Schulservice Augsburg (KS:AUG), das Bildungsprojekt Mehr Musik!, das Rockmusikzentrum KUKI e.V., den Szene-Dienstleistungsservice PopOffice, ein Fanprojekt von FCA und Stadtjugendring, eine Popbibliothek, Agenturen für Veranstaltungs-management und Licht/Tontechnik, einen Security-Service, eine Booking-Agentur, Musikschulen und Tonstudios, die Workshopplattform des popoffice, das Projekt „Interkultureller Garten“ , das Projekt „Tanz und Schule“, die Künstler-Kooperative „38/40 e.V.“, den privaten Musikclub/Disco „Kantine“ und den ehrenamtlich betriebenen Garagen-Klub „bombig“.

Der Betrieb

Die Koordination und Moderation dieser Netzwerkaktivitäten obliegt der privaten, gemeinnützigen Kulturpark West GmbH (Gesellschafter und Geschäftsführer Thomas Lindner & Peter Bommas) mit einem jährlichen Personaletat für insgesamt 8 Mitarbeiter/innen (Geschäftsführung, Büro, Technik, Facility Management, PopOffice) von Euro 150.000,00, eng verknüpft ist mit den vereinsbasierten Nutzergruppen wie KUKI e.V., 38/40 e.V., Kinder & Jugendtheater Abraxas e.V., Tanz und Schule e.V., AWAKA e.V.
Die Finanzierung des Kreativprojektes Kulturpark erwirtschaftet sich in erster Linie aus der Vermietung der Räume (politisch vorgegebene moderate Raummiete von aktuell Euro 6,85 warm alles incl.)  und verlief über einen Start-Invest der gGmbH von insgesamt Euro 300.000.- zur baulichen Instandsetzung bzw. Herstellung des vermietbaren Raumes. Inzwischen belaufen sich die Gesamtinvestitionen aus Bankkrediten und Cashflow auf knapp Euro 500.000,00. Die Förderung durch die Stadt Augsburg ist eine kommunale Bankbürgschaft über Euro 200.000.-, ein jährlich abnehmender Betriebskostenzuschuss von (2007) 60.000.- auf (2015) 10.000.- Euro und der mit der AGS ausgehandelte Pachtvertrag für die Überlassung des Geländes für eine symbolische Jahresmiete von Euro 500.- bis August 2017. Ab 2015 kann sich das Projekt ohne Förderzuschüsse selbst tragen.

Die Satelliten

Seit Dezember 2010 gehört zur Kulturpark gGmbH eine „Zweigstelle“ im Norden der Stadt, die ehemalige Ballonfabrik, mit einem verstärkten Augenmerk auf Kreativwirtschaft, Bildender Kunst und partizipativen Begegnungstreffs. Dort sind inzwischen knapp 200 Nutzer und Mietergruppen auf 1500 qm untergebracht. Seit Juli 2013 gibt es die Filiale „Atelierhaus Direktion“ (ehemaliges Direktionsgebäude der Wesselschen Schuhfabrik) mit weiteren 30 Bildenden Künstlern auf 500qm. Aufgrund der weiterhin hohen Nachfrage plant die gGmbH mit zusätzlichen „Filialen“.

Die Idee

Die „Philosophie“ des Kreativ-Projektes Kulturpark West beinhaltet sehr flache Hierarchien, verzichtet auf Merkmale wie „Intendanz“ oder „Direktion“, funktioniert vielmehr nach dem alten Partizipationsmodell des „Do-It-Yourself“ und „Learning by Doing “ als selbstbestimmte und selbstverwaltete Struktur, ist mit niederschwelligem Zugang generationenübegreifend angelegt und steht für kulturelle Vielfalt, die vom Hobby- und Freizeitkünstler über semi-professionelle Teilzeitakteure bis zu professionaliserten Kulturdienstleistern reicht.

Die Perspektive

Entstanden aus und in einem jahrelangen bürgerschaftlichen Diskurs von Anträgen bis Demonstrationen geht es aktuell um die Perspektive nach dem Ende der Zwischennutzung als Spagat zwischen Möglichkeiten des Verbleibs und Optionen für einen Umzug in das mögliche Ersatzgelände „Gaswerkareal“  bei Erhalt der erfolgreichen selbstbestimmten Struktur. Für den Erhalt und Verbleib dieser Struktur wurden von Juni bis Dezember 2015 insgesamt über 11.000 Unterschriften von Unterstützern gesammelt, die am 17.12. an den OB übergeben wurden.
Wir hofften, bis Ende des Jahres 2015 ein tragfähiges, belast- und finanzierbares Lösungskonzept gemeinsam mit der Stadtpolitik und den Akteuren zu finden. Es zeichnet sich allerdings ein von der Stadtregierung bevorzugtes Organisationsmodell ab,  bei dem die gemeinnützige, selbstverwaltete Struktur keine Rolle mehr spielen soll, weil die Stadt im geplanten Gaswerkareal andere Vorstellungen umsetzen will. Eine endgültige Entscheidung dazu erwarten wir bis nun im späten Frühjahr 2016.

Peter Bommas, Thomas Lindner, Januar 2016